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Jomhouri

Deutschland


Journalistin Forudastan wird Sprecherin Gaucks


Tue 10 07 2012

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Bundespräsident Joachim Gauck ist ein Mann der Kirche, zutiefst bürgerlich, hat die Occupy-Bewegung mal 'albern' genannt, Thilo Sarrazin 'Mut' bescheinigt, und bezeichnet sich selbst als Konservativen. Wenn auch als 'linken, liberalen Konservativen'.

Die Journalistin Ferdos Forudastan hat während ihres Studiums bei den Jusos mitgemacht, ist danach als politische Korrespondentin zur linken tageszeitung gegangen und würde sich auch heute noch nicht dagegen wehren, als linksliberal bezeichnet zu werden.

Ferdos Forudastan, 51, wird künftig für Gauck reden, von September an ist sie seine Sprecherin. Es ist nicht unbedingt das, was man eine logische Besetzung nennen würde.

Dazu kommt, dass Gaucks Umfeld im Präsidialamt ohnehin schon eher links geprägt ist, gesucht war also eigentlich eine eher konservative Frau. Gefunden wurde Forudastan, die sich so wenig an Gaucks Verortung stört wie er an ihrer. Sie sagt: 'Es ist irrelevant, ob wir politisch in jedem Punkt auf einer Linie liegen. Wichtig ist, dass ich sicher bin, mit ihm und seinem Team gut und vertrauensvoll zusammenarbeiten zu können.'

Wer Forudastan, parteilos, kennt, beschreibt sie als hochpolitische Person. Nach dem ersten juristischen Staatsexamen entschied sie sich für die taz und damit gegen die Stelle als Rechtsreferendarin am Landgericht Offenburg. Später wechselte sie zur linksliberalen Frankfurter Rundschau, schrieb über Rechtspolitik wie über CDU und CSU, die sie mit ihren Kommentaren piesackte. Zuletzt arbeitete sie unter anderem fürs Radio.

Geboren in Freiburg als Tochter einer Deutschen und eines Iraners, verbrachte sie die Zeit zwischen ihrem neunten und dem 18. Lebensjahr größtenteils in Isfahan und Teheran. Ihr Vater, so erzählt sie es, wollte als Arzt in der Heimat wirken, obwohl er bereits als Student aus politischen Gründen im Gefängnis gesessen hatte. Als er nun mit Familie zurückkehrte, regierte noch immer der Schah. 'Ich habe dort unmittelbar erfahren, wie es ist, in einer Diktatur zu leben, in einem Unterdrückerstaat', sagt Forudastan.

So wenig sich das Schah-Regime mit der DDR vergleichen lässt, so eindeutig ist die biographische Schnittmenge mit Gauck, dessen gesamtes politisches Koordinatensystem aus der Erfahrung entstanden ist, nicht frei zu sein. Ferdos Forudastan sagt: 'Aufgrund meiner Erfahrungen weiß ich zu schätzen, wie kostbar Freiheit ist.' Das klingt ziemlich genau wie der künftige Chef.

Über ihn sagt sie: 'Ich kannte Herrn Gauck vor unserem Gespräch nur als Leserin seiner Bücher und der Berichte über ihn - aber was ich gelesen habe, fand ich sehr anregend und gewinnend.' So sehr, dass sie nun den Umzug von Köln nach Berlin plant - erst einmal allein, ohne ihre drei Kinder und ihren Mann Michael Vesper. Der war mal einer der wichtigeren Grünen-Politiker und ist Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Ferdos Forudastan weiß also, wie man mit Männern umgeht, die nicht nur ziemlich wichtig sind, sondern sich auch ziemlich gut finden. Das dürfte für ihre künftige Aufgabe wichtiger sein als politische Bekenntnisse. Christoph Hickmann

Verlag Süddeutsche Zeitung
Datum Samstag, den 07. Juli 2012



Quelle: Süddeutsche Zeitung